Über den Werdegang und die Wahl der Heimat
Der Verein Artmacoro agiert international und vernetzt Kunstschaffende aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Auch dein Werdegang ist grenzüberschreitend: Magst du uns etwas über deinen Weg zwischen den Kulturen erzählen?
Ich bin in Ostdeutschland geboren und habe bis zum 12. Lebensjahr dort gewohnt um dann mit meinen Eltern für 8 Jahre nach Buenos Aires in Argentininen zu ziehen. Zurück nach Deutschland habe ich dann mit meiner Ausbildung zur Mediengestalterin begonnen und bin zwischen Hamburg, Dresden, Leipzig gependelt. Ebenso gab es einen längeren Aufenthalt in London inkl. Berufspraktikum. Nach meiner Ausbildung bin ich dann mit meiner Ausbildungsfirma nach Österreich gezogen. Seitdem wohne ich in Wien. Die Firma gibt es nicht mehr in Österreich, geblieben bin ich trotzdem und habe mir hier meinen Lebensmittelpunkt geschaffen.
Wie hat es dich nach Wien verschlagen und was macht diese Stadt für dich als Künstlerin besonders?
Nach Wien bin ich mit meiner Ausbildungsfirma gekommen. Diese hatte hier mehrere Partnerfilialen. Und was diese Stadt so besonders macht? Für mich sind die Österreicher eine perfekte Mischung aus Deutschen und Argentiniern. Wien ist für eine Hauptstadt recht klein und doch hat sie alles, was das (künstlerische) Herz begehrt. Museen, Theater, Galerien, Musicals, Messen, Geschichte, Tradition aber auch den Mut neues zu probieren. Die Wiener sind in dieser Hinsicht auf eine Art vorsichtig zurückhaltend – und gleichzeitig neugierig und mutig genug, neues zu erkunden.
Über das Handwerk und die Workshops
Du bietest Workshops zum Thema Buchbinden an. Wie bist du selbst zu diesem Handwerk gekommen und was hat dich dazu bewegt, dein Wissen in Workshops weiterzugeben?
Im Prinzip hat alles damit angefangen, dass ich beim Verein Druckberatung für die Künstler angeboten habe sowie Layoutarbeiten/Druckdatenerstellung gemacht habe. Irgendwann ist man aufs Buchbinden gekommen. Damit bin ich in meiner Ausbildung und im Job oberflächlich in Berührung gekommen. Damit hat dann eine Phase des Probierens und Optimierens begonnen, um ein recht komplexes Thema so vorzubereiten und umzusetzen, dass man in einem 1-2h-Workshop ein fertiges Buch mit nach Hause nehmen kann. Dafür wurde/wird der Freundeskreis auch gerne mal als Versuchskaninchen herangezogen um zu testen, wo man etwas optimieren oder anderes vorbereiten kann. Dabei hat sich beispielsweise herausgestellt, dass ein klassisch gebundenes Buch mit Buchdecke viel zu komplex für einen kurzen Workshop ist.
Allgemein lerne ich gerne neue Dinge und gebe dieses Wissen auch gerne an interessierte weiter. Wissen horten und für mich behalten ergibt für mich keinen Sinn. In meinem Job habe ich auch bereits mit Lehrlingen gearbeitet und neue Kollegen eingeschult.
Welche verschiedenen Bindetechniken bietest du an und was ist deine persönliche Lieblingstechnik?
Das klassisch gebundene Hardcoverbuch und die japanische Fadenbindung geben sich hier die Hand. Das eine ist von der Optik her nach wie vor mein Favorit, das Andere kann ohne Kleben und mit Haushaltsmitteln in kürzester Zeit einen Zettelberg in ein ordentliches Buch verwandeln. Da ich es auch liebe, wenn der Rücken mit einem Zierstich und Kontrastfaden gebunden wird, sind mit der Zeit auch immer mehr Bindearten mit offenem Rücken hinzugekommen. Aktuell erkunde ich auch das Gebiet der gefalteten Ziehharmonikabüchern und schaue, ob sich das vielleicht auch umsetzen lässt.
Wie kommen Interessierte zu den passenden Materialien? Verkaufst du diese auch oder gibst du Tipps für den Einkauf?
Die meisten Materialien gibt es in Bastelläden aber auch in normalen Schreibwarengeschäften. Man kann so gut wie jedes Material durch „Hausmittel“ ersetzen. Statt einer Ahle kann man beispielsweise Pins verwenden, statt einem Falzbein geht auch eine Clubkarte. Und wenn man größere Löcher braucht, geht auch mal ein Bohrer. Aber ja, bestimmte Materialien verkaufe ich auch auf Messen und Conventions (Falzbeine, Ahlen, Buchbinderleim, Miniaturbuchblöcke, etc.). Ich habe keinen Onlineshop, gebe aber gerne auch Tipps, wo man Materialien online bestellen kann. Wenn ich den Workshoport besser kenne, gebe ich auch gerne Tipps für Geschäfte, wo man selbst hingehen kann. Ich finde es schön, in einem Geschäft Papiersorten auch mal berühren zu können oder verschiedene Falzbeine in die Hand zu nehmen um zu testen, welches besonders gut in der Hand liegt.
Termine und Möglichkeiten
Welche Workshop-Termine für dieses Jahr sind bereits fixiert?
Für dieses Jahr hatten wir bereits die ersten beiden Termine. Die nächsten Möglichkeiten sind vom 19.-22. März in Leipzig bei der Leipziger Buchmesse (4 verschiedene unterschiedlich anspruchsvolle Workshops), vom 28.-29. März bei der MODELL HOBBY FREIZEIT Messe in Wieselburg (4 verschiedene unterschiedlich anspruchsvolle Workshops), vom 5.-7. Juni bei der Hanamicon in Graz (Miniaturbücher). Andere Conventions/Messen/Workshops sind in Planung.
Besteht auch abseits von Conventions die Möglichkeit, einen Kurs bei dir zu besuchen (z. B. Privatkurse oder feste Standorte)?
Bei Interesse kann man sich an Artmacoro, SimoArt oder mich wenden.
Messen und Events
Du bist auf der Leipziger Buchmesse vertreten: Was verbindet dich mit Leipzig und worauf freust du dich in diesem Jahr dort am meisten?
Meine Familie ist in Leipzig. Ich freue mich jedes Jahr, für ein paar Tage Zeit mit ihnen zu verbringen. Das verbindet mich mit Leipzig. Schon als Kind habe ich an einem Malwettbewerb für das Messemännchen teilgenommen. Meine Eltern haben mich auch früh mit zur Buchmesse mitgenommen und mein Leseverhalten frühzeitig gefördert. Die Liebe zu Büchern ist geblieben. Dass ich irgendwann nicht als Besucher hingehe, sondern als Aussteller hatte ich damals noch längst nicht auf dem Radar.
„What the heck is Wieselburg?“ – Nur eine Woche nach einem der größten Branchen-Events bist du in einem vergleichsweise kleinen Ort zu Gast, der aber eine sehr treue Community hat. Was verbindet dich mit Wieselburg und den dortigen Veranstaltungen?
Wieselburg ist eine relativ kleine Stadt im Mostviertel in Niederösterreich. Dort gibt es jedes Jahr die Mosticon. Simo hat mich gefragt, ob ich mitkommen möchte. Dann waren wir dort. Es war Winter, es war kalt, ein wunderschönes Messegelände, tolle Conbesucher, ein Flohmarkt um die Ecke, ein herziger handwerklicher Markt im Schloss und Wildwochen im Gasthaus Bruckner. Seitdem ist es ein fixer Termin im Dezember, auf den man sich sehr freuen kann.
Wieselburg ist vielleicht nicht günstig gelegen, aber einen Besuch wert.
Was sagst du jemandem, der behauptet, zwei linke Hände zu haben, aber unbedingt ein eigenes Buch binden möchte?
Einfach ausprobieren. Es gibt einfache Techniken, schwierige Techniken. Welche mit und welche ohne Kleber. Mehr als schief gehen kann es nicht. Im schlimmsten Fall hat man es probiert und weiß dann, dass Buchbinden einem vielleicht nicht liegt.